Schulabsentismus bezeichnet das wiederholte Fernbleiben von Schüler*innen vom Unterricht, unabhängig davon, ob die Fehlzeiten entschuldigt oder unentschuldigt sind. Dazu zählen verschiedene Varianten:
Im Folgenden wird erläutert, wie Schulen das Risiko von Schulabsentismus reduzieren können und welche konkreten, praxisnahen Schritte Lehrpersonen, Schulsozialarbeitende und Schulleitungen ergreifen können, wenn Schüler*innen bereits betroffen sind.
Ein unterstützendes Schulklima ist die beste Prävention.
Dazu gehört, dass Anwesenheit im Schulalltag bewusst angesprochen wird – nicht nur, um Fehlzeiten zu thematisieren, sondern auch, um regelmässige Teilnahme am Unterricht wertzuschätzen. Das kann so einfach sein, wie ein persönliches «Schön, dass du hier bist» beim Begrüssen, ein Dankeschön für Pünktlichkeit oder ein kurzes Gespräch, in dem nachgefragt wird, wie es der Schülerin oder dem Schüler geht. Solche kurzen, wertschätzenden Kontakte zeigen, dass Anwesenheit bemerkt und geschätzt wird.
Ein positives Klima wird auch dadurch gefördert, dass der Unterricht klar strukturiert, abwechslungsreich und partizipativ gestaltet ist. Das steigert die Motivation, die Schule zu besuchen.
Positive Beziehungen gelten als entscheidender Faktor, um Schulabsentismus entgegenzuwirken. Daher sind alle Massnahmen und Aktivitäten zu begrüssen, die gegenseitigen Respekt und Wertschätzung zwischen Schüler*innen sowie zwischen Schüler*innen und Lehrpersonen stärken (Beispiele für Aktivitäten finden Sie in «Abenteuerinsel - Alle Aktivitäten im Überblick»).
Zudem sollten Schüler*innen die Möglichkeit haben, auch über ihre Sorgen, Konflikte und Probleme zu sprechen, z.B. im Rahmen regelmässiger Gespräche in der Klasse.
Ein wirksames Vorgehen gegen Absentismus beginnt mit einer zuverlässigen Erfassung der Absenzen. Die Schule sollte idealerweise ein System nutzen, das Fehltage einträgt. Bereits ab einer Fehlquote von etwa einem Tag pro Monat (ca. 5% der Schulzeit) ist eine erste Abklärung sinnvoll, ab etwa zwei Tagen pro Monat (ca. 10% der Schulzeit) ist ein strukturierter Handlungsplan sehr empfehlenswert. Entscheidend ist es, früh zu reagieren, um eine Verfestigung des Problems zu verhindern.
Um die Früherkennung zu gewährleisten, wird die Bildung eines interdisziplinären Kernteams (z.B. Schulleitung, Schulsozialarbeit, eine Lehrperson, Schulpsychologe) für das Thema Anwesenheit empfohlen. Dieses Team trifft sich regelmässig, überprüft aktuelle Abwesenheitsberichte und plant Interventionen für einzelne Fälle.
Auch die aktive Kommunikation – sowohl innerhalb der Schule als auch gegenüber den Eltern – über die Anwesenheitserwartungen und entsprechenden Verfahren spielt eine präventive Schlüsselrolle.
Alle im Schulhaus sollten dafür sensibilisiert sein, Fehlzeiten nicht zu ignorieren, sondern sie dem interdisziplinären Kernteam zu melden.
In komplexen Situationen ist die Beteiligung von Fachleuten erforderlich, beispielsweise von den Schulpsychologischen Diensten, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Kinderschutzbehörde oder regionalen Fachstellen. Es ist daher sinnvoll, bereits vor einer Eskalation den Kontakt zu diesen externen Stellen zu suchen. Man könnte beispielsweise Fachpersonen zu einer Schulkonferenz einladen, um Abläufe im Voraus zu klären (wer ist Ansprechpartner, welche Unterlagen werden benötigt, welche Schritte sind sinnvoll…). So sind im Ernstfall wichtige Fragen bereits geklärt.
Idealerweise hat jede Schülerin und jeder Schüler mindestens eine feste Vertrauensperson im Schulhaus. Die Empfehlung lässt sich in der Praxis auf unterschiedliche Weise umsetzen.
Wenn personelle Ressourcen knapp sind, kann die Schule zunächst die gefährdetsten Schüler*innen priorisieren. Das anzustrebende langfristige Ziel wäre, dass jede Schülerin und jeder Schüler weiss: Wenn es nicht rund läuft, ist jemand für mich da.
Wenn sich erste Fehlmuster zeigen, ist ein koordiniertes Vorgehen gefragt. Ein schulisches Team, bestehend z.B. aus Schulleitung, Klassenlehrperson und Schulsozialarbeit, bespricht aktuelle Fälle und plant gemeinsame Schritte.
Der erste Kontakt mit den Eltern sollte zeitnah, persönlich und lösungsorientiert erfolgen. Als ergänzende Massnahme können freundliche Erinnerungsbriefe, E-Mails oder SMS an Eltern von Schüler*innen mit auffälligen Fehltagen versendet werden (Nudge-Kommunikation). Diese enthalten vergleichende Informationen, zum Beispiel: «Ihr Kind hat an acht Tagen gefehlt, der Klassendurchschnitt liegt bei zwei Tagen.» Wichtig ist eine positive Formulierung («Wir vermissen [Name] in der Schule» statt einer Schuldzuweisung). Gleichzeitig sollte die Bereitschaft zum Gespräch signalisiert werden – etwa über verfügbare Unterstützungsangebote – sowie die nächsten Schritte sollten gemeinsam festgelegt werden.
Mentoring- oder Coaching-Angebote, bei denen die betroffene junge Person täglich ein „Check-in“ und „Check-out“ erlebt, also zu Beginn und am Ende des Schultages bewusst von einer Bezugsperson begrüsst bzw. verabschiedet wird und sich in einem kurzen Austausch über den Tag, gesetzte Ziele und Erfolge austauscht, können helfen, die Motivation aufzubauen, in die Schule zu kommen.
Bei chronischem Absentismus oder angstbedingter Schulverweigerung ist eine vertiefte Abklärung notwendig. Die Ursachen können in psychischen Belastungen, familiären Konflikten oder schulischen Schwierigkeiten liegen.
Druck und Strafandrohungen sind bei Angstkonstellationen kontraproduktiv. Bewährt haben sich hingegen kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit Elternarbeit, eine stufenweise Reintegration in den Unterricht sowie die Bereitstellung von Schonräumen.
Für Jugendliche mit persistierendem Absentismus hat es sich bewährt, alternative Bildungswege anzubieten. Dies kann ein Teilzeitstundenplan sein, ergänzt durch einen geschützten Lernort in der Schule für Zeiten, in denen der reguläre Unterricht (noch) nicht besucht wird. Auch E-Learning-Module können integriert werden, um den Anschluss zu halten. Schulverweigerer*innen könnten zunächst selbst bestimmte Fächer wählen und so allmählich ihre Präsenz steigern.
In der Sekundarstufe II könnten Kooperationen mit Brückenangeboten, berufsvorbereitenden Programmen oder betrieblichen Praktika sinnvoll sein, sodass die Jugendlichen praktische Erfolgserlebnisse erzielen und schrittweise wieder den Anschluss an die Schule finden. Solche Lösungen sollten individualisiert und gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeitet werden, um die Akzeptanz zu erhöhen.
Grundsätzlich sollten die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologie bei Bedarf gemeinsam mit den Eltern und externen Fachstellen einen individuellen Unterstützungsplan koordinieren. Dies kann beispielsweise in Form einer schriftlichen Vereinbarung erfolgen, in der festgehalten wird, welche Unterstützungsangebote die Schule, die Eltern und externe Fachpersonen in den nächsten Wochen leisten, welche Ziele erreicht werden sollen und wer wofür zuständig ist.
Fachstellen wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe oder Kindesschutzbehörden sollten einbezogen werden, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Gleichzeitig ist der Datenschutz zu wahren, und Informationen dürfen nur mit Einwilligung oder bei akuter Gefährdung weitergegeben werden.
Die Broschüren zu den Themen Alkohol, Tabak, und Cannabis enthalten Handlungsempfehlungen für Bezugspersonen von Kinder und Jugendlichen, sowie Informationen und Tipps für den Alltag. (kostenlos bestellen)
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